Kapitel 5, Eleon im Streit mit Ramon in Kannemünde

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  Doch als der Südländer aufstehen wollte, brach Eleon sein Schweigen und erhob sich selbst. Bedrohlich leise aber doch bestimmt fuhr er ihn an: „Das war ziemlich dumm, Ramon! Ich hätte Euch mehr Verständnis für unsere derzeitige Situation zugetraut. Anstatt hier zu brüten und jeden dahergelaufenen Zuhörer Euer Leid zu klagen, könntet Ihr diejenigen unterstützen, die verzweifelt versuchen Euch und alle anderen davon zu befreien. Es stärkt nicht gerade unsere Position, wenn wir die bestehenden Gerüchte auch noch unnötig bestärken.“ Zornig blickte er in die irritierten Gesichter seiner Gefährten, doch es war noch nicht alles gesagt. „Verdammt, Leute! Wir werden einen Weg finden, reißt Euch alle zusammen. Wir haben wacker gekämpft und uns in einem aussichtlosen Kampf überwältigend gut geschlagen. Wir sind am Leben und haben in nächster Zeit Ruhe vor vielen Gefahren unserer Reise. Dabei sollten wir es belassen.“
  Dann wandte er sich dem Neuen in der Runde zu: „Und Ihr, Adron, werdet nun zumindest mit dem Ritter sprechen dürfen. Und bis dahin bitte ich Euch, mit Euren Fragen vorsichtiger zu sein. Ihr habt schon genug von dem erfahren, was Euch Euren Kopf kosten könnte.“ Die Augen des Druiden funkelten zornerfüllt und niemand am Tisch rührte sich oder sagte ein Wort.
  „Sedrox, ich habe vor, mir morgen die nähere Umgebung einmal genauer anzusehen, magst du mitkommen?“, wechselte Eleon schlagartig das Thema.
  Der Zwerg nickte vor Überraschung lediglich, erst Adron fand wieder zu Worten zurück. „Ich kenne weder Euer Ziel, noch Euren Auftrag, auch was es mit diesen Wunden auf sich hat, das kann ich nur vermuten. Aber wenn Ihr meine Hilfe gebrauchen könnt, so nehmt davon so viel ich geben kann.“ Er blickte von einem zum anderen. „Wenn Ihr erlaubt, dann begleite ich Euch.“ Schließlich wandte er sich vorsichtig lächelnd an Eleon: „Ich hoffe das klang eben mehr nach einer Drohung, als Ihr es beabsichtigt hattet. Trotzdem behalte ich Euch zuliebe meine Fragen nun erstmal für mich.“
  Eleon hingegen bedachte Adron nur mit einem mitleidigen Blick und sagte dann seufzend: „Nehmt es mir nicht übel, aber Ihr habt nicht die geringste Ahnung, und ich für meinen Teil möchte es dabei auch belassen, solange die Umstände mich nicht dazu zwingen.“ Mit einem bitteren Blick richtete er sich erneut an Ramon, der ihn äußerlich gelassen, jedoch innerlich infernalisch kochend aus lodernden Augen anstarrte. „In einem Punkt stimme ich Euch zu. Wir sollten alle zurück an Bord der „Trutz“. Sonst werden wir noch unvorsichtig und gefährden am Ende Unschuldige, nicht wahr? Keiner kann mit Sicherheit sagen, wo diese Reise endet, doch ich weiß, dass es hier für uns nicht sicher ist, solange wir unnötig Staub aufwirbeln. Also, trinkt aus und lasst uns gehen!“ Wütend leerte der Druide seinen Humpen und bedeutete der Bedienung, dass er zu zahlen wünsche.
  Adron blickte ihn ernst an, verkniff sich aber eine nicht sehr dipolmatisch gewählte Erwiderung und widmete dem Gelehrten demonstrativ keine besondere Aufmerksamkeit mehr.
  Gerade als Eleon gehen wollte, packte Ramon ihn blitzschnell am Arm und nahm sich den kleineren Gelehrten ernst zur Brust: „Ich für meinen Teil vertraue Ihm und dies ist meine Expedition, falls Ihr das noch nicht mitbekommen habt.“, fauchte er den Druiden nur mühsam beherrscht an. „Und anders als durch mein oder Dragomirs Vertrauen ist niemand unter uns, auch Ihr nicht, Eleon! Vergesst das niemals!“ Trotzig und wütend stapfte der Südländer aus der Taverne, lediglich kurz einige Silber auf die Theke knallend.
  Mit einem letzten, fast entschuldigenden Blick auf Adron, wandte sich auch Eleon um und verließ ebenfalls das Gasthaus. Er hegte nun nicht mehr den Wunsch, dass einer der anderen ihn begleitete. Vor der Tür angekommen blickte er zunächst finster Ramon hinterher, der sich zum Hafen bewegte, schlug dann seinen Mantel hoch und den Weg vom Hafen weg ein. Er musste sich Luft verschaffen und seine Gedanken neu ordnen. Dabei fiel ihm der Brief Sumudans ein, den er im Eifer des Tages in seiner Tasche komplett vergessen hatte. Immer langsamer gehend las er Sumudans Abschiedsbrief. Schließlich, die Taverne mit den anderen war längst kaum noch zu sehen, blickte er auf und verstand. Er hat Sumudans Flucht irgendwo innerlich erwartet, doch nun, mit diesen wenigen Zeilen in der Hand, fühlte er sich allein und vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ohne Hoffnung. So ähnlich würde sein Freund wohl auch gefühlt haben, als er allein in seiner Kabine lag. Eleon fühlte erneut tiefste Schuld, sie holte ihn ein und überfiel ihn wie eine längst verdrängte Angst mit der tödlichen Gewissheit, soeben einen guten Freund verloren zu haben. Das der Gemeinschaft eingeflößte Gift begann bereits zu wirken – und Sumudan hatte es gewusst.
  „Warte, Eleon, mach keine Dummheiten!“, hörte er auf einmal Sedrox‘ Stimme hinter sich.
  Instinktiv hob der Druide abwehrend seine rechte Hand. Zunächst wollte er den Zwerg abweisen, doch dann winkte er hin heran. „ Du hast Recht, Sedrox.“, flüsterte er ihm bestätigend zu. „Doch der Weg ist nun einmal eingeschlagen. Die Gemeinschaft zerfällt, wenn wir nicht aufpassen, dafür braucht es keine Gegner und Wunden.“ Unbewusst fasste er sich an das Mal, für viele Beziehungen innerhalb der Gruppe die einzige Verbindung, ein gemeinsamer Schicksalsfaden. „Auch Ramon wird erkennen, dass er mit dieser Handlung keinen guten Weg eingeschlagen hat. Ich werde nicht zurückkehren, wenn man auf meine Hilfe verzichten kann. Vorert jedenfalls.“
  Sedrox wollte etwas erwidern, doch Eleon ließ das nicht zu. „Kehrt alle zurück auf die „Trutz“ und achtet darauf, dass Adron euch nicht entwischt. Das letzte was wir brauchen ist ein verängstigter Schwertschwinger, der den Mob gegen uns aufbringt. Dragomir wird schon eine Lösung finden. Wenn du mich morgen noch begleiten magst, dann triff mich am Tempel der Peraine beim ersten Anblick der Praiosscheibe. Lass dir von Feylia den Weg zeigen, denn sie will sicher auch mit. Gute Nacht mein Freund. Lass es für heute gut sein.“ Eleon wandte sich um und verschwand schnell in einer Seitengasse.
  „Ich werde da sein. Bis morgen.“, rief Sedrox ihm halblaut hinterher, denn ihm war klar geworden, dass er heute nichts mehr erreichen würde, was die Auseinandersetzung zu einem guten Ende führen könnte.